Mr. Market – warum Hin und Her die Taschen leert
Benjamin Graham hat den Aktienmarkt als launischen Geschäftspartner beschrieben: „Mr. Market“. Jeden Tag nennt er dir einen Preis, mal euphorisch, mal verängstigt. Du musst sein Angebot nie annehmen. Du kannst es nutzen, wenn es günstig ist – und es sonst einfach ignorieren.
Die Geschichte von Mr. Market
In seinem Buch „Intelligent Investieren“ erzählt Graham ein Gleichnis. Stell dir vor, du besitzt einen Anteil an einem Geschäft, zusammen mit einem Partner namens Mr. Market. Jeden Tag kommt er vorbei und nennt dir einen Preis: Zu diesem Preis würde er dir seinen Anteil verkaufen oder deinen abkaufen.
Das Geschäft selbst läuft ruhig weiter, Jahr für Jahr. Aber Mr. Market ist launisch. An manchen Tagen ist er begeistert und verlangt einen absurd hohen Preis. An anderen ist er verzweifelt und bietet dir seinen Anteil für fast nichts an. Grahams Pointe: Du bist nicht verpflichtet, auf ihn zu hören. Er ist da, um dir zu dienen, nicht um dich zu führen.
Preis schwankt, Wert bewegt sich langsam
Ein ausgedachtes Unternehmen hat einen fairen Wert von rund 100 € je Aktie, der sich über das Jahr kaum ändert. Mr. Market macht in derselben Zeit diese Angebote:
| Monat | Stimmung | Kurs |
|---|---|---|
| Januar | gelassen | 100 € |
| März | euphorisch | 125 € |
| Juni | verängstigt | 75 € |
| September | zuversichtlich | 110 € |
| Dezember | unsicher | 95 € |
Das Unternehmen hat in diesem Jahr nichts anders gemacht. Nur die Stimmung hat sich geändert. Wer seinen fairen Wert kennt, sieht im Juni eine Gelegenheit: Kauf mit einer Sicherheitsmarge von 25 %. Wer ihn nicht kennt, sieht nur einen fallenden Kurs – und verkauft womöglich genau dann.
Warum Hin und Her die Taschen leert
Wer jeder Laune von Mr. Market folgt, kauft oft, wenn alle begeistert sind, und verkauft, wenn alle Angst haben – also teuer kaufen, billig verkaufen. Dazu kommen Kosten, die bei jedem Handel anfallen: Gebühren, der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs und in Deutschland die Steuer auf realisierte Gewinne, die beim Halten erst später fällig wird.
Diese Kosten wirken klein, aber sie wachsen mit. Ein angenommenes Beispiel: 10.000 €, 20 Jahre lang angelegt. Bei 7 % im Jahr werden daraus rund 38.700 €. Kosten Hin und Her nur 2 Prozentpunkte im Jahr, sind es bei 5 % rund 26.500 € – über 12.000 € weniger, ohne dass das Unternehmen schlechter gewesen wäre.
So nutzt du Mr. Market
Grahams Rat ist einfach: Kenne den Wert, bevor du auf den Preis schaust. Rechne den fairen Wert aus, lege deine Sicherheitsmarge fest und schreibe dir auf, ab welchem Kurs du kaufen würdest. Dann wartest du. Fällt der Kurs darunter, hilft dir Mr. Markets Angst. Steigt er weit darüber, kannst du über einen Verkauf nachdenken. Alles dazwischen darfst du ignorieren.
Drei typische Fehler
Erst der Wert, dann der Preis.
Delta Metron rechnet dir den fairen Wert mit drei Modellen je Unternehmensart aus und zeigt ihn neben dem Kurs – für über 6.000 Aktien. So weißt du, ob Mr. Market dir gerade ein gutes Angebot macht. Trag dich kostenlos ein: Die ersten 100 zahlen zum Start 5 € statt 10 € im Monat, lebenslang.
Häufige Fragen
Woher stammt die Idee von Mr. Market?
Von Benjamin Graham, aus seinem Buch „Intelligent Investieren“ (englisch „The Intelligent Investor“). Warren Buffett, Grahams Schüler, hat das Bild später oft in seinen Briefen an die Aktionäre aufgegriffen.
Heißt das, ich soll nie verkaufen?
Nein. Verkaufen kann sinnvoll sein, wenn der Kurs weit über dem fairen Wert liegt oder sich am Geschäft etwas Grundlegendes verschlechtert hat. Nur die Laune des Marktes allein ist kein guter Grund.
Kann man den Markt nicht doch vorhersagen?
Kurzfristige Stimmungen lassen sich kaum verlässlich vorhersagen. Grahams Ansatz braucht das auch nicht: Er fragt nicht, wohin der Kurs geht, sondern ob er gerade unter dem Wert liegt.
Gilt das auch für ETFs?
Der Gedanke ja: Auch beim ETF kostet ständiges Hin und Her Geld und Nerven. Wer regelmäßig anlegt und die Schwankungen aushält, fährt meist besser als jemand, der versucht, jeder Bewegung zu folgen.
Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Unternehmen und die Renditen im Beispiel sind angenommen.