Sicherheitsmarge: Benjamin Grahams wichtigste Idee

Kurz gesagt

Jeder faire Wert ist eine Schätzung, und Schätzungen liegen daneben. Die Sicherheitsmarge ist der Abstand zwischen dem fairen Wert und dem Preis, den du höchstens zahlst. Sie ist dein Puffer für Fehler in den eigenen Annahmen. Je unsicherer das Unternehmen, desto größer sollte er sein.

Die Idee

Benjamin Graham, der Lehrer von Warren Buffett, hat die Sicherheitsmarge zum Kern seines Buchs „Intelligent Investieren“ gemacht. Der Gedanke ist einfach: Du weißt nie genau, was ein Unternehmen wert ist. Du kannst es nur gut begründet schätzen. Also kaufst du nicht zum geschätzten Wert, sondern mit deutlichem Abstand darunter.

Ingenieure denken genauso. Eine Brücke wird nicht für genau das Gewicht gebaut, das sie tragen soll, sondern für ein Vielfaches davon. Nicht weil die Berechnung schlecht ist, sondern weil die Wirklichkeit selten so kommt, wie man sie geplant hat.

Die Formel

Kaufpreis=fairer Wert·(1−Sicherheitsmarge)
fairer Wert
deine Schätzung, zum Beispiel aus einem DCF
Sicherheitsmarge
der Abschlag in Prozent, zum Beispiel 25 % = 0,25

Umgekehrt kannst du für jeden Kurs ausrechnen, wie groß deine Sicherheitsmarge gerade ist: fairer Wert minus Kurs, geteilt durch den fairen Wert. Ist das Ergebnis negativ, zahlst du mehr, als du selbst für angemessen hältst.

Das Rechenbeispiel

Im Artikel zum fairen Wert kam die ausgedachte Beispiel AG auf einen fairen Wert von 199,23 € je Aktie. So hoch wäre der Kaufpreis bei verschiedenen Sicherheitsmargen:

Beispiel AG · Sicherheitsmargefairer Wert 199,23 €
SicherheitsmargeAbschlagKaufpreis höchstens
10 %19,92 €179,31 €
25 %49,81 €149,42 €
ein Drittel66,41 €132,82 €
50 %99,62 €99,61 €
Werte gerundet.

Was der Puffer abfängt

Angenommen, deine Annahmen waren zu optimistisch, und der wahre Wert der Beispiel AG liegt 20 % niedriger, bei 159,38 €. Was heißt das für dich?

Hast du zum vollen fairen Wert von 199,23 € gekauft, hast du 25 % mehr bezahlt, als die Aktie wert ist. Der Kurs müsste um 20 % fallen, nur damit du beim wahren Wert ankommst.

Hast du mit 25 % Sicherheitsmarge für 149,42 € gekauft, liegst du immer noch rund 6 % unter dem wahren Wert. Dein Irrtum hat dich nichts gekostet. Genau dafür ist der Puffer da.

Wie groß soll der Puffer sein?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, wie sicher deine Annahmen sind. Bei einem großen, stabilen Unternehmen mit langer, ruhiger Geschichte kann ein kleinerer Abschlag reichen. Bei einem jungen, schnell wachsenden oder stark schwankenden Unternehmen sollte er deutlich größer sein, weil schon kleine Änderungen am Wachstum den fairen Wert stark verschieben.

Eine gute Faustregel: Frag dich, wie sehr du deiner eigenen Schätzung traust. Je ehrlicher die Antwort „nicht sehr“ lautet, desto größer der Puffer.

Puffer und mehrere Modelle

Die Sicherheitsmarge schützt am besten, wenn der faire Wert selbst schon gut abgesichert ist. Deshalb lohnt es sich, ihn auf mehr als eine Art zu berechnen, etwa mit einem DCF und einem Vergleich über Kennzahlen. Liegen die Ergebnisse nah beieinander, kannst du dem Mittelwert mehr trauen. Liegen sie weit auseinander, ist das ein Grund für einen größeren Puffer.

Drei typische Fehler

1
Puffer auf einen falschen WertDie Sicherheitsmarge rettet keine schlechte Rechnung. Ist der faire Wert mit viel zu viel Wachstum gerechnet, nützen auch 25 % Abschlag wenig. Erst die Annahmen prüfen, dann den Puffer setzen.
2
Gefallen heißt nicht günstigEine Aktie, die stark gefallen ist, hat nicht automatisch eine Sicherheitsmarge. Oft fällt der Kurs, weil der Wert selbst gesunken ist. Rechne den fairen Wert neu, bevor du dich über einen niedrigen Kurs freust.
3
Ein Puffer, der nie erreicht wirdWer bei jeder Aktie 60 % Abschlag verlangt, kauft wahrscheinlich nie. Der Puffer soll zur Unsicherheit passen, nicht zu einem Wunschpreis. Geduld gehört dazu, aber nicht endloses Warten.
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Häufige Fragen

Wie groß sollte meine Sicherheitsmarge sein?

Das hängt davon ab, wie sicher deine Annahmen sind. Je stabiler und berechenbarer das Unternehmen, desto kleiner darf der Puffer sein; je unsicherer, desto größer. Wichtig ist, dass du ihn bewusst wählst.

Garantiert eine große Sicherheitsmarge Gewinn?

Nein. Sie senkt das Risiko, dass ein Fehler in deiner Schätzung teuer wird. Ob und wann der Kurs zum fairen Wert zurückkehrt, kann niemand vorhersagen.

Was, wenn der Kurs nie bis zu meinem Kaufpreis fällt?

Dann kaufst du diese Aktie eben nicht – und schaust dir andere an. Es gibt Tausende Unternehmen. Eine Beobachtungsliste hilft, den Moment nicht zu verpassen, wenn der Puffer erreicht ist.

Funktioniert die Sicherheitsmarge auch bei ETFs?

Nur schwer. Sie setzt voraus, dass du einen fairen Wert schätzen kannst. Bei einem breiten ETF mit Hunderten Unternehmen ist das kaum sinnvoll möglich.

Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Die Beispiel AG ist ausgedacht.

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