Das Dividenden-Modell einfach erklärt

Kurz gesagt

Als Aktionär bekommst du von einem Unternehmen vor allem eines: Dividenden. Das Dividenden-Modell bewertet eine Aktie deshalb nach allen Dividenden, die sie in Zukunft voraussichtlich zahlt, abgezinst auf heute. Es passt besonders zu Unternehmen, die verlässlich und steigend ausschütten.

Die Idee

Stell dir eine Aktie wie einen Obstgarten vor, den du nie verkaufst. Wert ist er dir genau so viel wie die Ernte, die er dir über die Jahre bringt. Bei einer Aktie ist diese Ernte die Dividende.

Der amerikanische Ökonom John Burr Williams hat diesen Gedanken schon 1938 aufgeschrieben: Der Wert einer Aktie ist die Summe aller künftigen Dividenden, jede auf heute abgezinst. Das ist dieselbe Logik wie beim DCF – nur dass hier nicht der freie Cashflow des Unternehmens zählt, sondern das, was davon tatsächlich bei dir ankommt.

Die Formel

Wächst die Dividende Jahr für Jahr mit einer gleichmäßigen Rate, lässt sich die unendliche Summe in eine kurze Formel fassen. Sie ist nach dem Ökonomen Myron Gordon benannt:

Fairer Wert=D1r−g
D1
Dividende im nächsten Jahr, also heutige Dividende × (1 + g)
r
Rendite, die du verlangst, zum Beispiel 8 % = 0,08
g
dauerhaftes Wachstum der Dividende, zum Beispiel 5 % = 0,05

Wie beim Endwert im DCF gilt: g muss kleiner sein als r. Sonst ergibt die Formel keinen sinnvollen Wert.

Das Rechenbeispiel

Die ausgedachte Dividenden AG zahlt heute 3 € Dividende je Aktie. Wir nehmen an, dass die Dividende dauerhaft um 5 % im Jahr steigt, und verlangen eine Rendite von 8 %.

Dividenden AG · Dividenden-Modellausgedachtes Unternehmen
SchrittRechnungErgebnis
Dividende heute3,00 €
Dividende nächstes Jahr3,00 € × 1,053,15 €
r − g8 % − 5 %3 %
Fairer Wert je Aktie3,15 € ÷ 0,03105,00 €
Ausgedachtes Unternehmen.

Kostet die Aktie weniger als 105 €, bekommst du bei diesen Annahmen mehr als die verlangten 8 % im Jahr. Kostet sie mehr, weniger.

Wie empfindlich das Ergebnis ist

Weil im Nenner nur der kleine Abstand zwischen r und g steht, reagiert das Modell stark auf das angenommene Wachstum. Alles andere gleich:

Dividenden AG · fairer Wert je Wachstumr = 8 %, Dividende heute 3 €
Wachstum gr − gFairer Wert
4 %4 %78,00 €
5 %3 %105,00 €
6 %2 %159,00 €
Werte gerundet.

Ein Prozentpunkt mehr oder weniger Wachstum verschiebt den fairen Wert um ein Viertel bis die Hälfte. Deshalb lohnt sich ein vorsichtiger Wert für g – eher der, den das Unternehmen auf Dauer halten kann, als der der letzten guten Jahre.

Wann das Modell passt

Das Dividenden-Modell passt zu Unternehmen, die seit vielen Jahren verlässlich ausschütten und ihre Dividende stetig erhöhen: etwa Versorger, große Konsumgüterhersteller, viele Banken und Immobiliengesellschaften. Bei ihnen ist die Dividende ein guter Spiegel dessen, was das Geschäft dauerhaft hergibt.

Für Unternehmen, die wenig oder nichts ausschütten, taugt es nicht. Viele wachsende Unternehmen stecken ihr Geld lieber ins eigene Geschäft oder kaufen Aktien zurück. Ihr Wert ist trotzdem da – nur zeigt ihn die Dividende nicht. Dann ist der DCF der bessere Weg.

Ist die Dividende sicher?

Das Modell geht davon aus, dass die Dividende weiter gezahlt wird und wächst. Prüfe deshalb, woher sie kommt. Ein guter Anhaltspunkt ist der freie Cashflow: Deckt er die Dividende über viele Jahre, ist sie verdient. Zahlt ein Unternehmen mehr aus, als es einnimmt, oder leiht es sich das Geld dafür, kann die Dividende nicht ewig steigen.

Drei typische Fehler

1
Wachstum zu nah an der RenditeLiegt g nur knapp unter r, wird der Nenner winzig und der faire Wert riesig. Ein Ergebnis, das weit über dem Kurs liegt, ist oft nur ein Zeichen für zu viel angenommenes Wachstum.
2
Eine Dividende auf PumpEine hohe Dividende, die nicht aus dem Geschäft verdient ist, wird früher oder später gekürzt. Dann bricht auch der Wert im Modell zusammen. Erst prüfen, ob die Dividende gedeckt ist.
3
Das falsche ModellEin Unternehmen ohne nennenswerte Dividende ist im Dividenden-Modell fast nichts wert – das ist aber ein Fehler des Modells, nicht des Unternehmens. Wähle das Modell, das zum Unternehmen passt.
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Häufige Fragen

Welche Rendite r soll ich verlangen?

Die Rendite, die du für das Risiko dieser Aktie mindestens haben willst. Sie folgt demselben Gedanken wie der Abzinsungssatz im DCF: je unsicherer das Unternehmen, desto höher.

Welches Wachstum g ist realistisch?

Auf Dauer kann eine Dividende kaum schneller wachsen als das Unternehmen selbst. Ein Blick auf das Dividendenwachstum der letzten zehn Jahre und auf das Gewinnwachstum hilft, einen vorsichtigen Wert zu finden.

Was ist mit Aktienrückkäufen?

Manche Unternehmen geben Geld lieber über Rückkäufe als über Dividenden zurück. Das klassische Modell sieht diesen Teil nicht. Bei solchen Unternehmen passt ein DCF besser.

Ist eine hohe Dividendenrendite gut?

Nicht automatisch. Eine sehr hohe Rendite entsteht oft, weil der Kurs stark gefallen ist – etwa weil der Markt eine Kürzung erwartet. Prüfe, ob die Dividende gedeckt ist.

Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Die Dividenden AG ist ausgedacht.

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