Freier Cashflow einfach erklärt

Kurz gesagt

Der freie Cashflow ist das Geld, das einem Unternehmen bleibt, nachdem es alle laufenden Kosten bezahlt und in sein Geschäft investiert hat. Er lässt sich weniger leicht schönrechnen als der Gewinn. Aus ihm zahlt ein Unternehmen Dividenden, kauft eigene Aktien zurück oder tilgt Schulden.

Was wirklich übrig bleibt

Stell dir einen Bäcker vor. Am Ende des Jahres hat er Brot verkauft, Mehl, Strom und Löhne bezahlt. Was übrig ist, nennt die Buchhaltung Gewinn. Aber der Bäcker musste in diesem Jahr auch einen neuen Ofen kaufen. Das Geld dafür ist weg, auch wenn der Ofen in der Gewinnrechnung nur Stück für Stück über viele Jahre auftaucht.

Der freie Cashflow fragt deshalb ganz praktisch: Wie viel Geld ist am Ende des Jahres tatsächlich mehr auf dem Konto – nach allem, was das Geschäft am Laufen hält? Genau dieses Geld kann ein Unternehmen an seine Eigentümer weitergeben.

Die Formel

Freier Cashflow=operativer Cashflow−Investitionen
operativer Cashflow
Geld, das das laufende Geschäft im Jahr einbringt
Investitionen
Ausgaben für Maschinen, Gebäude, Software und Ähnliches

Beide Zahlen stehen in der Kapitalflussrechnung, einem Pflichtteil jedes Geschäftsberichts. Der operative Cashflow heißt dort meist „Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit“, die Investitionen „Auszahlungen für Sachanlagen“ oder ähnlich.

Das Rechenbeispiel

Im Artikel zum fairen Wert hatte die ausgedachte Beispiel AG einen freien Cashflow von 10 € je Aktie. So könnte er aus dem Gewinn entstehen:

Beispiel AG · vom Gewinn zum freien Cashflowje Aktie
PostenBetrag
Gewinn11,00 €
+ Abschreibungen4,00 €
− mehr Geld in Vorräten und offenen Rechnungen1,00 €
= operativer Cashflow14,00 €
− Investitionen4,00 €
= freier Cashflow10,00 €
Ausgedachtes Unternehmen.

So liest du die Tabelle: Abschreibungen sind Kosten, die den Gewinn senken, für die in diesem Jahr aber kein Geld geflossen ist – der Ofen wurde ja früher bezahlt. Deshalb kommen sie wieder dazu. Dafür wurde mehr Geld in Vorräten und in Rechnungen gebunden, die Kunden noch nicht bezahlt haben. Das fehlt auf dem Konto und wird abgezogen. Am Ende stehen 10 € – etwas weniger als der Gewinn.

Warum Gewinn und Cashflow auseinanderlaufen

Der Gewinn folgt Buchungsregeln, der Cashflow folgt dem Geld. Beides ist nützlich, aber sie können weit auseinanderliegen:

Ein wachsendes Unternehmen investiert oft deutlich mehr, als es abschreibt. Sein freier Cashflow liegt dann unter dem Gewinn, obwohl es gesund ist. Ein Unternehmen, das kaum noch investiert, zeigt dagegen einen freien Cashflow über dem Gewinn – das sieht gut aus, kann aber heißen, dass es von seiner Substanz lebt.

Ein Warnzeichen ist es, wenn der Gewinn über viele Jahre steigt, der freie Cashflow aber nicht mitkommt. Dann landet der Gewinn offenbar nicht als Geld auf dem Konto.

Freier Cashflow je Aktie und Rendite

Teilst du den freien Cashflow durch die Zahl der Aktien, erhältst du den freien Cashflow je Aktie. Teilst du diesen durch den Kurs, erhältst du die Free-Cashflow-Rendite. Kostet die Aktie der Beispiel AG 200 €, sind das 10 € ÷ 200 € = 5 %. Sie sagt dir, wie viel Geld das Unternehmen im Verhältnis zu dem verdient, was du dafür bezahlst – ähnlich wie das KGV, nur auf Basis des Geldes statt des Gewinns.

Drei typische Fehler

1
Nur ein Jahr ansehenDer freie Cashflow schwankt stark, etwa wenn ein Unternehmen in einem Jahr eine neue Fabrik baut. Sieh dir immer mehrere Jahre an. Erst der Verlauf zeigt, was ein Unternehmen dauerhaft übrig hat.
2
Aktienvergütung übersehenViele Unternehmen bezahlen Mitarbeiter teils in Aktien. Im operativen Cashflow fließt dafür kein Geld ab, er wirkt also höher. Die Kosten tragen trotzdem die Aktionäre, weil neue Aktien ihren Anteil verwässern.
3
Gesparte Investitionen feiernWer die Investitionen kürzt, steigert sofort den freien Cashflow – auf Kosten der Zukunft. Ein plötzlicher Sprung lohnt deshalb einen Blick darauf, ob das Unternehmen einfach weniger in sich selbst investiert.
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Den freien Cashflow über viele Jahre sehen.

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Häufige Fragen

Ist ein negativer freier Cashflow schlecht?

Nicht unbedingt. Junge oder stark wachsende Unternehmen investieren oft mehr, als sie einnehmen. Wichtig ist, ob die Investitionen später Geld bringen und ob das Unternehmen die Zeit bis dahin finanzieren kann.

Was ist der Unterschied zum EBITDA?

Das EBITDA ist ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Es lässt Investitionen, Steuern und Zinsen ganz weg. Der freie Cashflow zieht all das ab und ist deshalb näher an dem Geld, das wirklich übrig bleibt. Wofür das EBITDA trotzdem nützlich ist, zeigt der Artikel EV/EBITDA.

Wo finde ich den freien Cashflow?

Viele Unternehmen nennen ihn im Geschäftsbericht. Wenn nicht, rechnest du ihn selbst aus der Kapitalflussrechnung: operativer Cashflow minus Investitionen. Achte darauf, dass verschiedene Quellen ihn leicht unterschiedlich abgrenzen.

Warum nutzt der DCF den freien Cashflow und nicht den Gewinn?

Weil ein Unternehmen seinen Eigentümern am Ende nur Geld geben kann, das es tatsächlich hat. Der DCF schätzt genau dieses Geld für die Zukunft und rechnet es auf heute zurück.

Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Die Beispiel AG ist ausgedacht.

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