Banken bewerten: Buchwert und Übergewinn
Eine Bank verdient ihr Geld mit geliehenem Geld. Schulden sind bei ihr deshalb kein Risiko neben dem Geschäft, sondern das Geschäft selbst – und Cashflow-Modelle passen nicht. Banken bewertet man über ihr Eigenkapital: Was zählt, ist, wie viel mehr sie darauf verdienen, als ihre Aktionäre verlangen.
Warum Banken anders sind
Ein Maschinenbauer leiht sich Geld, um Fabriken zu bauen. Die Schulden finanzieren das Geschäft. Eine Bank dagegen nimmt Einlagen an und leiht sie weiter. Ihr „Rohstoff“ ist geliehenes Geld, ihr Gewinn der Unterschied zwischen dem Zins, den sie zahlt, und dem, den sie bekommt.
Deshalb funktionieren die üblichen Werkzeuge nicht. Ein freier Cashflow ist bei einer Bank kaum sinnvoll abzugrenzen, und EV/EBITDA würde die Einlagen der Kunden als Schulden zählen. Stattdessen schaut man auf das, was den Aktionären gehört: das Eigenkapital, auch Buchwert genannt.
Die drei Zahlen, auf die es ankommt
Der Buchwert ist das Eigenkapital der Bank, also Vermögen minus Schulden, laut Bilanz. Geteilt durch die Zahl der Aktien ergibt sich der Buchwert je Aktie.
Die Eigenkapitalrendite (englisch Return on Equity, ROE) sagt, wie viel Gewinn die Bank im Jahr auf dieses Eigenkapital erwirtschaftet. 12 % heißt: Aus 100 € Eigenkapital werden 12 € Gewinn.
Die Eigenkapitalkosten sind die Rendite, die Aktionäre für das Risiko verlangen. Sie folgen demselben Gedanken wie der Zinssatz bei der Abzinsung: je riskanter, desto höher.
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis
Das KBV teilt den Kurs durch den Buchwert je Aktie. Ein KBV von 1 heißt: Die Bank kostet an der Börse genau so viel, wie ihr Eigenkapital in der Bilanz wert ist. Ob 1 viel oder wenig ist, hängt aber davon ab, wie gut die Bank mit diesem Kapital wirtschaftet. Ein faires KBV lässt sich ausrechnen:
- ROE
- Eigenkapitalrendite, zum Beispiel 12 % = 0,12
- ke
- Eigenkapitalkosten, zum Beispiel 10 % = 0,10
- g
- dauerhaftes Wachstum, zum Beispiel 4 % = 0,04
Die Formel sagt etwas sehr Einfaches: Verdient eine Bank genau ihre Eigenkapitalkosten, ist sie genau ihren Buchwert wert. Verdient sie mehr, ist sie mehr wert. Verdient sie weniger, ist sie weniger wert – selbst wenn sie Gewinn macht.
Das Rechenbeispiel
Die ausgedachte Beispielbank hat einen Buchwert von 50 € je Aktie. Die Aktionäre verlangen 10 %, das Wachstum liegt bei 4 %. So hängt der faire Wert an der Eigenkapitalrendite:
| ROE | faires KBV | Fairer Wert |
|---|---|---|
| 8 % | 0,67 | 33,33 € |
| 10 % | 1,00 | 50,00 € |
| 12 % | 1,33 | 66,67 € |
| 14 % | 1,67 | 83,33 € |
Bei 8 % Eigenkapitalrendite verdient die Bank zwar Gewinn, aber weniger, als ihre Aktionäre verlangen. Sie ist dann nur zwei Drittel ihres Buchwerts wert. Genau deshalb notieren manche Banken jahrelang unter Buchwert – und das ist nicht automatisch ein Schnäppchen.
Der Übergewinn
Ein zweiter Blick auf dieselbe Idee: Was eine Bank über ihre Eigenkapitalkosten hinaus verdient, nennt man Übergewinn.
Bei der Beispielbank mit 12 % ROE sind das (12 % − 10 %) × 50 € = 1 € je Aktie im Jahr. Der faire Wert ist dann der Buchwert plus alle künftigen Übergewinne, abgezinst auf heute.
Wichtig ist dabei eine realistische Annahme: Ein Vorsprung hält selten ewig. Wettbewerber holen auf, Zinsen ändern sich. Deshalb lässt man den Übergewinn über die Jahre oft langsam auf null schrumpfen. Übrig bleibt am Ende der Buchwert.
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Häufige Fragen
Was ist ein gutes KBV für eine Bank?
Das hängt von der Eigenkapitalrendite ab. Eine Bank, die dauerhaft mehr verdient als ihre Eigenkapitalkosten, darf über Buchwert kosten. Eine, die weniger verdient, ist auch unter Buchwert nicht unbedingt günstig.
Kann ich das KGV bei Banken nutzen?
Ja, als schnellen Vergleich. Es sagt aber nichts darüber, wie viel Eigenkapital die Bank für diesen Gewinn einsetzt. Das KBV zusammen mit der Eigenkapitalrendite gibt das genauere Bild.
Was ist der materielle Buchwert?
Der Buchwert ohne Firmenwerte und ähnliche immaterielle Posten, die bei Übernahmen entstehen. Er zeigt vorsichtiger, was im Ernstfall an greifbarem Eigenkapital da ist.
Gilt das auch für Versicherungen?
Weitgehend ja. Auch Versicherer arbeiten mit dem Geld anderer – den Beiträgen ihrer Kunden. Auch bei ihnen sind Buchwert und Eigenkapitalrendite die wichtigsten Größen.
Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Die Beispielbank ist ausgedacht.