REITs bewerten: FFO statt Gewinn

Kurz gesagt

Ein REIT ist ein Unternehmen, das Immobilien besitzt und vermietet und den Großteil seiner Erträge ausschüttet. Sein Gewinn täuscht, weil er die Gebäude Jahr für Jahr abschreibt, obwohl sie oft nicht an Wert verlieren. Deshalb bewertet man REITs nach dem FFO – dem Geld, das die Immobilien wirklich einbringen.

Was ein REIT ist

REIT steht für Real Estate Investment Trust. Das sind Gesellschaften, die Büros, Wohnungen, Lagerhallen, Einkaufszentren oder Rechenzentren besitzen und vermieten. Sie genießen steuerliche Vorteile und müssen dafür den größten Teil ihrer Erträge ausschütten – in den USA mindestens 90 % des steuerpflichtigen Gewinns. Viele Anleger kaufen REITs deshalb wegen der regelmäßigen Ausschüttung.

Das Problem mit dem Gewinn

Die Buchhaltung behandelt ein Gebäude wie eine Maschine: Es verliert jedes Jahr ein Stück seines Werts, und dieser Wertverlust wird als Abschreibung vom Gewinn abgezogen. Bei einer Maschine stimmt das. Bei einem gut gelegenen Gebäude oft nicht – Grundstück und Lage verlieren selten an Wert, manchmal steigen sie sogar.

Die Folge: Der Gewinn eines REIT ist häufig viel kleiner als das Geld, das die Mieten tatsächlich einbringen. Das KGV wirkt dann absurd hoch, obwohl das Unternehmen gut verdient.

Die Lösung: FFO

FFO steht für Funds From Operations, also Mittel aus dem laufenden Geschäft. Die Branche hat dafür eine feste Definition:

FFO=Gewinn+Abschreibungen auf Immobilien−Verkaufsgewinne
Abschreibungen
der Wertverlust der Immobilien, wie ihn die Buchhaltung ansetzt
Verkaufsgewinne
einmalige Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien

Die Abschreibungen kommen wieder dazu, weil kein Geld abgeflossen ist. Verkaufsgewinne werden abgezogen, weil sie einmalig sind – ein REIT kann nicht jedes Jahr seine Gebäude verkaufen.

Das Rechenbeispiel

Der ausgedachte Beispiel-REIT kostet 72 € je Aktie.

Beispiel-REIT · vom Gewinn zum FFOje Aktie
PostenBetrag
Gewinn2,00 €
+ Abschreibungen auf Immobilien3,00 €
− Gewinn aus einem Immobilienverkauf0,50 €
= FFO4,50 €
Ausgedachtes Unternehmen.

Nach dem Gewinn hätte der REIT ein KGV von 72 € ÷ 2 € = 36. Das sähe teuer aus. Nach dem FFO kostet er 72 € ÷ 4,50 € = 16-mal FFO. Das ist eine ganz andere Geschichte – und die realistischere.

P/FFO statt KGV

Kurs geteilt durch FFO je Aktie heißt P/FFO und ist bei REITs das Gegenstück zum KGV. Wie beim KGV gibt es keinen festen guten Wert. Vergleiche mit REITs derselben Art – Wohnungen mit Wohnungen, Lagerhallen mit Lagerhallen – und mit der eigenen Geschichte des REIT.

Noch genauer: AFFO

Auch Gebäude brauchen Pflege: neue Dächer, Heizungen, Renovierungen nach einem Mieterwechsel. Zieht man diese laufenden Instandhaltungskosten vom FFO ab, erhält man das AFFO (Adjusted FFO). Es ist näher an dem, was wirklich ausgeschüttet werden kann. Beim Beispiel-REIT mit 0,80 € Instandhaltung je Aktie wären das 4,50 € − 0,80 € = 3,70 €. Eine Ausschüttung von 3,20 € wäre damit zu rund 86 % gedeckt. Eine einheitliche Definition für das AFFO gibt es allerdings nicht – jeder REIT rechnet es etwas anders.

Drei typische Fehler

1
REITs nach dem KGV beurteilenDurch die hohen Abschreibungen ist das KGV bei fast jedem REIT verzerrt. Wer danach urteilt, hält gute REITs für teuer. Nimm das P/FFO.
2
FFO gesamt statt je AktieREITs schütten fast alles aus und wachsen deshalb meist mit neuen Aktien oder neuen Schulden. Das FFO insgesamt kann kräftig steigen, während das FFO je Aktie kaum vorankommt. Für dich zählt nur der Anteil je Aktie.
3
Schulden und Zinsen übersehenImmobilien werden stark auf Kredit gekauft. Steigen die Zinsen, wird die Finanzierung teurer und das FFO schrumpft. Ein Blick auf Schulden und deren Laufzeiten gehört dazu.
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Eigene Modelle für REITs.

Delta Metron erkennt REITs und rechnet sie mit drei eigenen Modellen auf Basis des FFO je Aktie: P/FFO, FFO-Wachstum und Dividenden-Modell. Jede Annahme ist sichtbar und von dir einstellbar. Trag dich kostenlos ein: Die ersten 100 zahlen zum Start 5 € statt 10 € im Monat, lebenslang.

Häufige Fragen

Wo finde ich das FFO?

Die meisten REITs nennen es selbst in ihren Quartals- und Jahresberichten, meist mit einer Überleitung vom Gewinn. Datendienste vereinfachen die Rechnung oft und ziehen etwa die Verkaufsgewinne nicht ab. Vergleiche deshalb möglichst Werte aus derselben Quelle.

Gibt es REITs auch in Deutschland?

Ja, als G-REIT. Auch sie müssen den Großteil ihres Gewinns ausschütten. Die meisten börsennotierten Immobiliengesellschaften in Deutschland sind aber keine REITs, sondern normale Aktiengesellschaften – für ihre Bewertung gilt die FFO-Logik trotzdem.

Warum sind REITs zinsempfindlich?

Aus zwei Gründen: Sie finanzieren sich stark mit Krediten, und ihre Ausschüttung konkurriert mit sicheren Zinsen. Steigen die Zinsen, wird beides schwieriger.

Kann ich das Dividenden-Modell nutzen?

Ja, REITs passen sogar besonders gut dazu, weil sie verlässlich ausschütten. Mehr dazu im Artikel Das Dividenden-Modell.

Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Der Beispiel-REIT ist ausgedacht.

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