KGV: Was es dir sagt – und wann es dich täuscht

Kurz gesagt

Das KGV teilt den Kurs einer Aktie durch den Gewinn je Aktie. Es sagt dir, wie viele Jahresgewinne du für eine Aktie bezahlst. Es ist schnell gerechnet, aber empfindlich: Ein einziger Sondereffekt im Gewinn kann es verdoppeln oder halbieren, obwohl sich am Unternehmen nichts geändert hat. Prüfe deshalb immer, ob der Gewinn ein normales Jahr zeigt.

Was das KGV misst

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, ist die bekannteste Kennzahl an der Börse. Es vergleicht zwei Dinge: was du für eine Aktie bezahlst, und was das Unternehmen pro Aktie verdient.

Ein KGV von 20 heißt: Du zahlst heute das Zwanzigfache des Gewinns eines Jahres. Vereinfacht gesagt bräuchte das Unternehmen 20 Jahre, um seinen Kaufpreis zu verdienen, wenn der Gewinn gleich bliebe. Umgekehrt gelesen ist das eine Gewinnrendite von 5 %: Jedes Jahr verdient das Unternehmen 5 % dessen, was du bezahlt hast.

Die Formel

KGV=KursGewinn je Aktie
Kurs
der aktuelle Preis einer Aktie
Gewinn je Aktie
der Gewinn der letzten zwölf Monate, geteilt durch die Zahl der Aktien

Meist wird mit dem Gewinn der letzten zwölf Monate gerechnet. Das ist ein gemessener Wert. Daneben gibt es das erwartete KGV, das mit dem geschätzten Gewinn des nächsten Jahres rechnet. Das ist eine Annahme, keine Messung, und genau so solltest du es auch lesen.

Das Rechenbeispiel

Nehmen wir wieder die ausgedachte Beispiel AG. Ihre Aktie kostet 100 €, in einem normalen Jahr verdient sie 5 € je Aktie. Jetzt schauen wir uns dasselbe Unternehmen in drei Jahren an: einmal normal, einmal mit einer einmaligen Belastung, einmal mit einem einmaligen Gewinn.

Beispiel AG · KGVausgedachtes Unternehmen, Kurs immer 100 €
JahrGewinn je AktieKGV
Normales Jahr5,00 €20,0
Einmalige Steuerbuchung (−2 €)3,00 €33,3
Verkauf einer Sparte (+5 €)10,00 €10,0
Gleiches Unternehmen, gleicher Kurs, gleiches Geschäft – nur der Gewinn eines Jahres ist anders.

Im zweiten Fall wirkt die Aktie plötzlich teuer, im dritten wie ein Schnäppchen. In Wahrheit hat sich am Geschäft nichts verändert. Das KGV hat nur ehrlich ausgerechnet, was im Gewinn steht – und dort stand ein Sondereffekt.

Ein echter Sondereffekt

Dass das kein Gedankenspiel ist, zeigt Meta. Im dritten Quartal 2025 buchte das Unternehmen eine einmalige Steuerbelastung von 15,93 Mrd. $, ausgelöst durch eine Änderung im US-Steuerrecht. Geld floss dafür nicht ab, die Buchung war nicht zahlungswirksam. Der Gewinn je Aktie für das Quartal lag dadurch bei 1,05 $ statt 7,25 $.

Wer danach das KGV aus dem Gewinn der letzten zwölf Monate berechnet, bekommt ein Jahr lang einen deutlich zu hohen Wert. Das Unternehmen sah auf dem Papier teurer aus, als es war. Erst wenn das Quartal aus der Zwölf-Monats-Rechnung herausfällt, stimmt das KGV wieder.

So prüfst du, ob das KGV stimmt

Lies die Erklärung zum Gewinn. Unternehmen nennen große Einmaleffekte im Quartalsbericht, oft schon in der ersten Mitteilung. Begriffe wie „einmalig“, „Sonderposten“ oder „Wertberichtigung“ sind ein Signal.

Vergleiche mit dem operativen Ergebnis. Steuerbuchungen oder Verkäufe tauchen im Ergebnis vor Zinsen und Steuern meist nicht auf. Springt nur der Gewinn, das operative Ergebnis aber nicht, steckt fast immer ein Sondereffekt dahinter.

Schau auf mehrere Jahre. Ein Durchschnitt über drei bis fünf Jahre glättet Ausreißer. Ein einzelnes Jahr kann täuschen, eine Reihe kaum.

Nimm den freien Cashflow dazu. Was wirklich in der Kasse bleibt, lässt sich durch Buchungen kaum verbiegen. Weicht der Gewinn stark vom freien Cashflow ab, lohnt sich ein genauer Blick.

Womit du das KGV vergleichen kannst

Ein KGV allein sagt wenig. Erst der Vergleich macht es nützlich: mit der eigenen Geschichte des Unternehmens und mit ähnlichen Unternehmen. Ein schnell wachsendes Software-Unternehmen hat fast immer ein höheres KGV als ein Energieversorger – das ist kein Fehler, sondern der Preis für mehr erwartetes Wachstum. Wie du beides zusammen bewertest, zeigt der Artikel Wachstum bewerten.

Bei Verlusten ist das KGV nicht aussagekräftig. Bei Banken und REITs passt es nur eingeschränkt: Banken vergleicht man eher über den Buchwert, REITs über die Funds from Operations (FFO).

Drei typische Fehler

1
Niedriges KGV heißt günstigEin niedriges KGV kann aus einem einmaligen Gewinn kommen – oder aus einem Geschäft, das schrumpft. Dann ist die Aktie nicht billig, sondern der Gewinn wird kleiner. Diese Falle nennt man Value-Falle.
2
Äpfel mit Birnen vergleichenDas KGV eines Versorgers mit dem eines Software-Unternehmens zu vergleichen, sagt nichts. Wachstum, Risiko und Kapitalbedarf sind völlig verschieden. Vergleiche innerhalb einer Branche.
3
Nur ein Jahr anschauenEin einzelnes Jahr kann einen Sondereffekt enthalten, wie bei Meta. Erst über mehrere Jahre siehst du, wo das KGV normalerweise liegt und ob der heutige Wert aus der Reihe fällt.
Founding · nur 100 Plätze

Sieh auf einen Blick, ob ein Jahr aus der Reihe fällt.

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Häufige Fragen

Was ist ein gutes KGV?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Ob ein KGV hoch oder niedrig ist, zeigt erst der Vergleich mit der eigenen Geschichte des Unternehmens und mit ähnlichen Firmen.

Was bedeutet ein negatives KGV?

Das Unternehmen hat Verlust gemacht. Ein negatives KGV ergibt keinen Sinn und wird meist gar nicht angezeigt. Dann helfen andere Kennzahlen, etwa der Umsatz oder der freie Cashflow.

KGV oder erwartetes KGV – welches ist besser?

Beide ergänzen sich. Das KGV mit dem Gewinn der letzten zwölf Monate ist gemessen, das erwartete KGV beruht auf Schätzungen. Schätzungen können danebenliegen – lies das erwartete KGV deshalb als Annahme.

Funktioniert das KGV bei Banken und REITs?

Nur eingeschränkt. Bei Banken ist der Buchwert aussagekräftiger, bei REITs die Funds from Operations (FFO), weil Abschreibungen den Gewinn dort verzerren.

Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Die Beispiel AG ist ausgedacht; reale Unternehmen sind nur Beispiele, keine Empfehlungen. Zahlen zu Meta: Quartalsmitteilung vom 29.10.2025.

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