Wachstum bewerten: Peter Lynchs PEG
Ein hohes KGV heißt nicht automatisch teuer – wenn der Gewinn schnell wächst, kann der Preis gerechtfertigt sein. Das PEG setzt das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum. Peter Lynch sah ein Unternehmen als fair bewertet an, wenn beide etwa gleich groß sind.
Die Idee
Das KGV sagt dir, wie viele Jahresgewinne du für eine Aktie bezahlst. Es sagt dir aber nicht, wie schnell dieser Gewinn wächst. Ein Unternehmen mit einem KGV von 30 kann günstiger sein als eines mit 12 – wenn sein Gewinn jedes Jahr kräftig zulegt und der des anderen kaum.
Peter Lynch, der über viele Jahre einen der erfolgreichsten Fonds der USA geleitet hat, hat dafür eine einfache Faustregel bekannt gemacht: Das KGV eines fair bewerteten Unternehmens liegt etwa auf der Höhe seiner Wachstumsrate. Daraus entstand das PEG, das „Price/Earnings to Growth“-Verhältnis.
Die Formel
- KGV
- Kurs geteilt durch Gewinn je Aktie
- Wachstum
- erwartetes jährliches Gewinnwachstum, als Zahl: 20 % = 20
Wichtig: Das Wachstum geht hier als ganze Zahl ein, nicht als Dezimalzahl. Ein KGV von 20 bei 20 % Wachstum ergibt ein PEG von 20 ÷ 20 = 1.
Das Rechenbeispiel
Drei ausgedachte Unternehmen, drei KGVs. Nach dem KGV allein wäre Firma B die günstigste:
| Unternehmen | KGV · Wachstum | PEG |
|---|---|---|
| Firma A | 30 · 25 % | 1,2 |
| Firma B | 12 · 4 % | 3,0 |
| Firma C | 18 · 20 % | 0,9 |
Mit dem Wachstum im Blick dreht sich das Bild. Firma B hat zwar das niedrigste KGV, wächst aber kaum – gemessen am Wachstum ist sie die teuerste. Firma C bekommst du am günstigsten, obwohl ihr KGV höher ist als das von B.
Lynchs Faustregel
Lynch las das Verhältnis grob so: Ein PEG um 1 spricht für einen fairen Preis. Deutlich unter 1 kann eine Gelegenheit sein, deutlich über 2 ein Zeichen, dass viel Zukunft schon im Preis steckt. Das ist eine Faustregel, kein Gesetz – sie ersetzt keinen Blick auf das Unternehmen.
Lynch war auch vorsichtig bei sehr hohem Wachstum. Raten über etwa 25 % im Jahr halten nur wenige Unternehmen lange durch. Ein PEG, das auf einem kurzen Wachstumsschub beruht, ist deshalb mit Vorsicht zu lesen.
Welches Wachstum?
Das PEG ist nur so gut wie die Wachstumszahl. Gemeint ist das erwartete Gewinnwachstum der nächsten Jahre, nicht der Sprung des letzten Quartals. Viele nehmen dafür die Schätzungen der Analysten für die nächsten drei bis fünf Jahre oder das Wachstum der vergangenen Jahre, wenn das Geschäft stabil ist. Am besten vergleichst du beides: Weicht die Erwartung stark von der Vergangenheit ab, frag dich, warum.
Wo das PEG nicht hilft
Bei Unternehmen ohne Gewinn gibt es kein KGV und damit kein PEG. Bei Unternehmen mit sehr wenig Wachstum wird die Zahl schnell riesig und sagt wenig. Und bei Banken, Versicherern oder Immobilienfirmen gibt es bessere Maßstäbe, die zu ihrem Geschäft passen.
Drei typische Fehler
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Häufige Fragen
Was ist ein gutes PEG?
Nach Lynchs Faustregel gilt ein PEG um 1 als fair, deutlich darunter als günstig. Entscheidend ist aber, wie belastbar das angenommene Wachstum ist.
Was ist mit Dividenden?
Lynch berücksichtigte bei Unternehmen, die viel ausschütten, auch die Dividendenrendite: Er zählte sie zum Wachstum dazu, bevor er mit dem KGV verglich. So schneiden langsam wachsende, aber großzügige Unternehmen nicht zu schlecht ab.
Ersetzt das PEG einen DCF?
Nein. Das PEG ist ein schneller Vergleich, der DCF eine ausführliche Rechnung. Beide zusammen geben ein besseres Bild als jedes für sich.
Funktioniert das PEG bei Verlust?
Nein. Ohne Gewinn gibt es kein sinnvolles KGV und damit auch kein PEG. Dann helfen eher Umsatz- oder Cashflow-Kennzahlen.
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