Aktienrückkäufe und Verwässerung
Eine Aktie ist ein Stück eines Unternehmens. Kauft das Unternehmen eigene Aktien zurück, wird jedes verbleibende Stück größer. Gibt es neue Aktien aus, wird jedes Stück kleiner – das nennt man Verwässerung. Für dich als Aktionär zählt deshalb nicht der Gewinn des Unternehmens, sondern der Gewinn je Aktie.
Die Idee
Stell dir ein Unternehmen als Kuchen vor, der in Stücke geteilt ist. Wer eine Aktie besitzt, besitzt ein Stück. Wird der Kuchen in weniger Stücke geteilt, ist jedes Stück größer – obwohl der Kuchen selbst gleich bleibt. Wird er in mehr Stücke geteilt, ist jedes kleiner.
Genau das passiert bei Rückkäufen und bei neuen Aktien. Der Wert des Unternehmens ändert sich dadurch nicht automatisch, wohl aber dein Anteil daran.
Die Formel
Bleibt der Gewinn gleich und sinkt die Zahl der Aktien, steigt der Gewinn je Aktie. Steigt die Zahl der Aktien, sinkt er.
Das Rechenbeispiel
Ein ausgedachtes Unternehmen verdient 500 Mio. € im Jahr und hat 100 Mio. Aktien. Der Gewinn bleibt in allen drei Fällen gleich:
| Fall | Aktien | Gewinn je Aktie |
|---|---|---|
| Heute | 100 Mio. | 5,00 € |
| 10 % zurückgekauft | 90 Mio. | 5,56 € (+11 %) |
| 10 % neu ausgegeben | 110 Mio. | 4,55 € (−9 %) |
Ohne dass das Unternehmen einen Euro mehr verdient, steigt der Gewinn je Aktie durch den Rückkauf um 11 %. Durch neue Aktien sinkt er um 9 %. Wer nur auf den Gewinn des ganzen Unternehmens schaut, sieht keinen dieser beiden Effekte.
Wann ein Rückkauf gut ist
Ein Rückkauf ist eine Alternative zur Dividende: Das Unternehmen gibt Geld an seine Aktionäre zurück, nur auf anderem Weg. Ob das klug ist, hängt vor allem am Preis. Kauft ein Unternehmen eigene Aktien unter ihrem fairen Wert, bekommen die verbleibenden Aktionäre mehr Wert, als das Unternehmen bezahlt. Kauft es zu teuer, verschenkt es Geld an die Aktionäre, die verkaufen.
Warren Buffett hat das oft beschrieben: Rückkäufe sind dann gut, wenn der Kurs deutlich unter dem inneren Wert liegt – und nur mit Geld, das das Unternehmen nicht besser in sein Geschäft stecken kann.
Woher Verwässerung kommt
Neue Aktien entstehen vor allem auf drei Wegen: bei einer Kapitalerhöhung, wenn ein Unternehmen frisches Geld braucht; bei Übernahmen, die mit eigenen Aktien bezahlt werden; und über die Aktienvergütung für Mitarbeiter und Management. Der letzte Weg ist am unauffälligsten, weil er jedes Jahr ein wenig passiert.
Achte deshalb auf eine einfache Zahl: Wie hat sich die Zahl der Aktien über zehn Jahre entwickelt? Sinkt sie, gehört dir mit jedem Jahr ein größeres Stück. Steigt sie Jahr für Jahr, wird dein Anteil leise kleiner – auch wenn das Unternehmen gleichzeitig Aktien zurückkauft.
Drei typische Fehler
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Häufige Fragen
Ist ein Rückkauf besser als eine Dividende?
Nicht grundsätzlich. Ein Rückkauf lohnt sich vor allem, wenn die Aktie unter ihrem fairen Wert liegt. Liegt sie darüber, ist eine Dividende oft die bessere Art, Geld zurückzugeben.
Was ist der Unterschied zu einem Aktiensplit?
Bei einem Split wird jede Aktie in mehrere geteilt, aber jeder Aktionär bekommt entsprechend mehr Stücke. Dein Anteil bleibt genau gleich. Bei einer Verwässerung entstehen neue Aktien für andere – dein Anteil wird kleiner.
Wo sehe ich die Zahl der Aktien?
Im Geschäftsbericht, meist als durchschnittliche Zahl der ausstehenden Aktien. Wichtig ist der Verlauf über viele Jahre, nicht ein einzelner Stand.
Ist Aktienvergütung immer schlecht?
Nein. Sie kann Mitarbeiter an den Erfolg binden. Aber sie ist echte Bezahlung, die die Aktionäre über die Verwässerung tragen. Bei der Bewertung sollte man sie wie eine Ausgabe behandeln.
Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Unternehmen im Beispiel ist ausgedacht.